Die Schweizerische Gesellschaft für Neue Musik (SGNM; frz. Société Suisse de Musique Contemporaine, SSMC; ital. Società Svizzera per la Musica Contemporanea, SSMC; ISCM Switzerland) ist die nationale Sektion der International Society for Contemporary Music (ISCM/IGNM Int. Gesellschaft für Neue Musik) in der Schweiz. Die SGNM ist Mitglied des weltweiten Dachverbandes International Society for Contemporary Music (ISCM), der ältesten internationalen Dachorganisation zur Förderung der Neuen Musik. Unter ihren Mitgliedern finden sich neben verschiedenen Veranstaltern und Ensembles für Neue Musik die meisten schweizer IGNM-Ortsgruppen.

Nach dem Vorbild der ISCM-Statuten ist der Zweck der SGNM die Förderung Neuer Musik unter Berücksichtigung ihrer individuellen und gesellschaftlichen Funktion, ihrer weiteren Entwicklung sowie verschiedener Vermittlungsansätze im theoretischen wie im praktischen. Der Zweck soll - unvoreingenommen - möglichst allen Arten lebendiger musikalischer Praxis zugute kommen, ohne Rücksicht auf ästhetische Anschauungen, Nationalität, Rasse, Religion, Geschlecht, Alter, soziale Herkunft und Stellung oder politische Einstellung. Dies soll auf nationaler, wie regionalen Ebenen und Zusammenhängen geschehen, sowie durch internationale Aktivitäten, insbesondere im Rahmen der International Society for Contemporary Music (ISCM), in welcher die SGNM Mitglied ist.

Im Vordergrund der SGNM-Tätigkeiten stehen damit:
1. das Lobbying für die Neue Musik in der Schweiz
2. die internationale Verbreitung und Vernetzung Neuer Musik im Allgemeinen, im Besonderen zeitgenössischer Schweizer KomponistInnen und Ensembles für Neue Musik über die ISCM.

 


Brief von Werner Reinhart an die ISCM über die Gründung der IGNM Sektion Schweiz, 31.X.1922,
mit freundlicher Genehmigung der Stadtbibliotheken Winterthur


ISCM Switzerland foundation letter by Werner Reinhart
photos by courtesy of Stadtbibliotheken Winterthur

 

Die Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik besteht seit 1922 und ist damit eine der weltweit ältesten ISCM-Landessektionen. Ihre Gründung verdankt sie dem Winterhurer Mäzen Werner Reinhart, dem ersten ISCM-Sekretär. Ihr erster Präsident ist der Komponist und damalige Chefdirigent des Tonhalle Orchester Zürich Volkmar Andreae (1879-1962).

Ihre Präsidenten sind nacheinander Volkmar Andreae (1922), Hans Ehinger (1934, ad interim), Paul Sacher (1935), Samuel Baud-Bovy (1955), Paul Müller (1960), Constantin Regamey (1963), Hermann Haller (1968), Julien François Zbinden (1973), Francis Travis (1974), Fritz Muggler (1978), Jean-Luc Darbellay (1995), Max E. Keller (2007), Nicolas Farine (2010), Javier Hagen (2014).

1946-2001 teilt die IGNM Sektion Schweiz auf die Initiative von Paul Sacher (1906-1999) ein gemeinsames Sekretariat mit dem Schweizerischen Tonkünstlerverein STV/ASM. Von 1922-25 und 1946-73 bilden die Präsidenten der IGNM Sektion Schweiz eine Personalunion mit den STV-Präsidenten. 1995 wird die IGNM Sektion Schweiz in Boswil in die SGNM/SSMC umbenannt.

Hinter der ISCM/IGNM steht von Anfang an die Idee der Überwindung regionaler und nationaler Interessen. Die Schweizer IGNM-Sektionen organisierten seit der Gründung der ISCM im Jahre 1922 ingesamt sechsmal die ISCM-Weltmusiktage: 1926 (Zürich), 1929 (Genf), 1957 (Zürich), 1970 (Basel), 1991 (Zürich) und 2004 - unter dem Motto 'Trans_it' - in der ganzen Schweiz. Die IGNM-Feste in der Schweiz waren besonders in den 20ern von historischer Bedeutung, da sie nicht nur künstlerisch beflügelnd wirkten, sondern auch die vermittelnde Tätigkeit der Schweiz international bekräftigten.

So sind mit den Weltmusiktagen in der Schweiz mehrere musikgeschichtlich bedeutende Uraufführungen verbunden, worunter die Uraufführung von Anton Weberns 5 Orchesterstücke op.10 unter seiner Leitung 1926 in Zürich und die szenische Uraufführung von Arnold Schönbergs Opernfragment 'Moses und Aron' 1957 in Zürich besonders hervorragen. Ebenfalls 1957 wurde in Zürich zum ersten Mal in der Geschichte der ISCM-Weltmusiktage elektronische Musik aufgeführt. Unter der Leitung von Mathias Steinauer fanden die Weltmusiktage 2004 zu einer international beachteten Formvariante: statt einem zentral organisierten Fest reiste die ISCM-Gemeinschaft in einem eigens für das Festival eingerichteten Extrazug (Klangzug) durch die ganze Schweiz zu den dezentral organisierten Weltmusiktagen und überraschte die internationale Musikwelt mit der hohen Qualität und der reichen künstlerischen Vielfalt der Neuen Musik in allen 4 Sprachregionen der Schweiz.

Die International Society for Contemporary Music ISCM ist eine der bedeutendsten musikkulturellen Gesellschaften der Welt und geht - vor dem Hintergrund des Völkerbundes - auf eine Initiative der Zweiten Wiener Schule während der Salzburger Festspiele 1922 zurück. Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörten unter anderen die Komponisten Bartok, Hindemith, Honegger, Milhaud, Ravel, Berg, Schönberg, Strawinsky und Webern. Deren erste Delegiertenversammlung 1923 in London bedeutete die erste friedliche Zusammenkunft der am Weltkrieg beteiligten Nationen.

Die ISCM verfügt über 65 unabhängige Sektionen (1.10.2015), welche Delegierte zur Hauptversammlung der ISCM entsenden. Die Mitglieder der Sektionen sind ebenfalls Mitglieder der ISCM; sie können bis zu sechs Werke für die Aufführung im Rahmen der Weltmusiktage vorschlagen. Länderorganisationen, die zeitgenössische Musik fördern, aber nicht den Status einer Landessektion der ISCM besitzen, können als assoziierte Mitglieder geführt werden. Dieser Status gilt auch für deren Mitglieder. Einzelne Berufsmusiker geniessen den Status von Ehrenmitglieder.

Die ISCM gibt das World New Music Magazine heraus und organisiert die alljährlich in einem anderen Land stattfindenden Weltmusiktage (World Music Days WMD). Die World New Music Days, die zwischen ein und zwei Wochen dauern, gestalten sich in jedem Land verschieden. Gemeinsam und konstant ist ihnen jedoch, Kompositionen aller Mitgliedländer gleich stark und demokratisch vertreten zu haben, was die Festivalprogramme immer in einem weltweit einmaligen Spannungsfeld zwischen internationalen Spitzenpositionen und dem Abbild der globalen Vielfalt der Neuen Musik ansiedeln.

 

 

The Swiss Society for Contemporary Music (SSCM/ISCM Switzerland); Société Suisse de Musique Contemporaine (SSMC); Società Svizzera per la Musica Contemporanea (SSMC) is the national section of the ISCM and promotes the national and international exchange of contemporary music with a special focus on Swiss composers. Members of the SSCM are regional ISCM groups and ensembles, notably from Basle, Bern, Lausanne, Neuchâtel, St.Gallen, Lucerne, Zentralschweiz and Valais.Current members of the board in 2016 are Nicolas Farine, Max E.Keller (secretary), Egidius Streiff and Javier Hagen (president). .

ISCM Switzerland was founded 1922 by Werner Reinhart. On the initiative of Paul Sacher it shared the office with the STV/ASM (Swiss Musicians Association) from 1946-2001. In 2001 the society became independent of the STV during the preparations for the 2004 World New Music Days „Trans-it“. In 2014 Javier Hagen (IGNM-VS) has been elected ISCM Switzerland's president.

The 2004 World New Music Days „Trans-it“ were organised by the SSCM (festival director Mathias Steinauer). The motto was literally „transit“ – i.e. to penetrate, to go through, to overcome, to be in a trance, to dream...). In 2010, the SSCM instigated a Swiss exchange project over the „Röstigraben“ (between German and French speaking Switzerland) represented by the two ensembles Mondrian and Vortex: www.carteblancherouge.ch Before the creation of the SSCM, the local ISCM sections from Basle, Zürich and Romandie organised the earlier „World Music Days“: 1926 (Zürich), 1929 (Genève), 1957 (Zürich), 1970 (Basel), 1991 (Zürich).

The SSCM is a member of its parent society, the International Society for Contemporary Music (ISCM). As one of the most important societies for Contemporary Music, the ISCM was founded on an initiative of the second Viennese School during the „Salzburger Festspiele“ in 1922. Founding members were the composers Bartok, Hindemith, Honegger, Milhaud, Ravel, Berg, Schönberg, Strawinsky and Webern. The ISCM comprises currently 65 independant sections. Every year it organises a Festival for contemporary music, the World Music Days. Currently Peter Swinnen is president of the ISCM.

 

 

La Société Suisse de Musique Contemporaine (SSMC) (all. Schweizerische Gesellschafts für Neue Musik, SGNM; ital. Società Svizzera per la Musica Contemporanea, SSMC) est la section nationale officielle de la Société Internationale de Musique contemporaine (ISCM). Elle a pour but de favoriser les échanges musicaux entre notre pays et les différentes sections représentées au sein de l’ISCM, de même qu’entre les acteurs de la musique contemporaine de l’ensemble de la Suisse. Le comité actuel de la SSMC (décembre 2013) est formé de Mr. Javier Hagen, président, de Mr. Nicolas Farine, viceprésident, de Mr. Max E. Keller, secrétaire, et de Mr. Egidius Streiff, membres.

Fondée en 1922 par Werner Reinhart, la SSMC a partagé son bureau à l'initiative de Paul Sacher avec l’Association Suisse des Musiciens (ASM) depuis 1946. En 2001, La SSMC quitte l’ASM et assume seule le travail administratif. En 2014 Javier Hagen (IGNM-VS) a été élu président.

Parmi les faits marquants de son activité, il faut citer l’organisation des Journées mondiales de la musique (World New Music Days) en 2004 en Suisse, sous la direction de Mathias Steinauer. Cet important Festival avait pour thème “Trans it – to penetrate it, to go through it, to overcome it (trance-it: to dream it)“. En 2010 La SSMC a conçu le projet “Carte blanche-rouge“, mettant en miroirs les musiques de tout le pays. Ce projet a notamment été soutenu par la Fondation Ernst von Siemens Musikstiftung et a impliqué les ensembles suisses Vortex et Mondrian. La section suisse de l'ISCM, à travers les sections locales à Bâle, Zürich et en Romandie, a représenté l’ISCM afin d’organiser les World Music Days en 1926 (Zurich), 1929 (Genève), 1957 (Zurich), 1970 (Bâle) et 1991 (Zurich).

L’ISCM, dont la SSMC est membre et représentante pour la Suisse, est la plus ancienne organisation internationale dont le but est de promouvoir les musiques nouvelles. Créée à l’initiative des membres de la Seconde Ecole de Vienne au cours des Salzburger Festspiele de 1922, l’ISCM est l’une des plus importantes associations impliquées dans la promotion de la musique moderne. Ses membres furent A. Schoenberg, A. Webern, A. Berg, B. Bartok, P. Hindemith, A Honegger, D. Milhaud, M. Ravel, pour n’en citer que quelques-uns. Elle compte actuellement 65 sections indépendantes dans le monde et organise chaque année les WNMD dans un pays différent. Le président actuel est Peter Swinnen.

 

 

La Società svizzera per la musica contemporanea (SSMC; ted. Schweizerische Gesellschaft für Neue Musik, SGNM; fra. Société Suisse de Musique Contemporaine, SSMC) è la sezione nazionale della Società internazionale per la musica contemporanea. Il suo obiettivo è la promozione e lo scambio a livello sia nazionale che internazionale della musica contemporanea, in particolare anche di quella svizzera. Attualmente fanno parte della SSMC tra l’altro le sezioni locali della SIMC di Basilea, Berna, Lucerna, Zentralschweiz, Losanna, Neuchâtel, San Gallo e Vallese. Il Comitato direttivo della SSMC (situazione a dicembre 2016) è composto da Nicolas Farine, Max E. Keller (segr.), Egidius Streiff e Javier Hagen (pres.).

La Società svizzera per la musica contemporanea è nata nel 1922. Nel 1946, la SSMC sotto l'egida della presidenza di Paul Sacher crea un ufficio comune in collaborazione con la ASM. Nel 2001 la gestione di SSMC e ASM è stata separata e i rispettivi consigli direttivi si sono resi indipendenti. Nel 12/2013 viene eletto presidente Javier Hagen (IGNM-VS).

La SSMC ha organizzato gli ISCM World Music Days 2004 in Svizzera, sotto la guida di Mathias Steinauer. Il motto delle giornate mondiali della musica era 'Trans it – to penetrate it, to go through it, to overcome it (trance-it: to dream it)'. Nel 2010 la SSMC ha dato inizio al progetto ‘carte blanche-rouge’, sostenuto anche dalla Fondazione per la musica Ernst von Siemens. Hanno partecipato gli ensemble svizzeri Vortex e Mondrian. Prima del 2004, i World New Music Days sono stati organizzati in Svizzera negli anni 1926 (Zurigo), 1929 (Ginevra), 1957 (Zurigo), 1970 (Basilea), 1991 (Zurigo).

La SSMC è membro dell’associazione mantello International Society for Contemporary Music (ISCM), la più antica organizzazione mantello internazionale per la promozione della musica contemporanea. La SIMC/ISMC è una delle più importanti società culturali di musica del mondo e nasce dall’iniziativa della Seconda scuola viennese durante il Festival di Salisburgo del 1922. Tra i suoi soci fondatori si annoverano i compositori Bartok, Hindemith, Honegger, Milhaud, Ravel, Berg, Schönberg, Strawinsky e Webern. La SIMC/ISCM conta 65 sezioni internazionali nei singoli paesi e organizza ogni anno le giornate mondiali della musica (World New Music Days) che si tengono a rotazione in un paese diverso. L’attuale presidente è Peter Swinnen.

 

 

 


Programmankündigung des 1. IGNM-Festes, Salzburg 1923
mit freundlicher Genehmigung der Stadtbibliotheken Winterthur


1. ISCM World Music Days 1923, program note
photo by courtesy of Stadtbibliotheken Winterthur

 

 

 

 

References

Anton Haefeli: IGNM (Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik - Ihre Geschichte von 1922 bis zur Gegenwart) Atlantis Musikbuch-Verlag (Zürich 1982, ISBN 3 7611 0596 7)

Joseph Willimann: pro Musica - der neuen Musik zulieb (50 Jahre Pro Musica, Ortsgruppe Zürich der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik). Atlantis Musikbuch (Zürich 1988, ISBN 3 254 00148 6)

Thomas Meyer: World Music Days Zürich 1991 / Weltmusiktage Zürich 1991 - Programm (Swiss Society for Contemporary Music c/o SAFIMM, NZZ Fretz AG Schlieren 1991)

Geller B., Favre M., Briner A., Gaillard P.-A.: Tendances et réalisations : volume commémoratif publié à l'occasion du 75e anniversaire de l'Association des musiciens suisses, 1900-1975 (Schweizerischer Tonkünstlerverein/Association Suisse des Musiciens) Atlantis Musikbuch Verlag (Zürich 1975, ISBN 3761104642, 9783761104644)

Paul Sacher Stiftung Basel: Archivbestände IGNM Basel und IGNM Schweiz

Archiv des Musikkollegiums Winterthur: Stadtbibliotheken Winterthur, Studienbibliothek, Depot Musikkollegium Winterthur, Nachlass Werner Reinhart